So schmeckt die Mango
Windows Phone 7.5 im Blick
Knapp ein Jahr nach dem Marktstart hat Microsoft seiner mobilen Software-Plattform das erste große Update spendiert. Windows Phone 7.5 oder auch einfach nur „Mango“ soll dem User ein weitaus besseres Benutzererlebnis bescheren. Microsoft versucht mit dem Update Windows Phone auf Augenhöhe mit der Konkurrenz aus iOS und Android zu bringen. Hat es aber auch das Potenzial dazu? Wir haben einmal von der Mango genascht …
Im letzten Jahr wusste Windows Phone optisch zu überraschen, allerdings wirkte das Betriebssystem mangels Multitasking, Copy & Paste und einem mäßigen Browser doch etwas unfertig. Das soll mit dem Mango-Update nun anders werden. Das Userinterface „Metro“ wirkt auch nach einem Jahr noch immer sehr frisch und einfach anders, als man es von iOS, Android oder Symbian her kennt. Kleine Animationen sorgen dafür, das Leben auf dem Display ist. Allerdings wirkt das Interface zuweilen etwas unübersichtlich und nicht immer stringent in der Handhabe, wenn man sich zum Beispiel in einen einzelnen Hub begibt. Hier bleibt der Eindruck, dass Effektivität zugunsten einer möglichst aufwendigen Optik geopfert wurde. Trotzdem bleibt es vielleicht das derzeit schickeste mobile UI.

Kontakte und Konten
Eine der Neuheiten bei Windows Phone 7.5 aka „Mango“ ist die Gruppenfunktion für Kontakte. Innerhalb einer Gruppe lassen sich nun bestimmte Kontakte zusammenfassen. Über die Gruppe können sie alle auf einmal per Mail oder SMS kontaktiert werden. Außerdem bleibt der Nutzer stets über die Statusberichte der Gruppenmitglieder auf den gängigen Social-Media-Kanälen auf dem Laufenden.
Eine Schwachstelle bei den Kontakten bleibt aber bestehen: Es werden weiterhin ausnahmslos alle Kontakte aus Facebook, Gmail, Windows Live und Twitter mit dem Gerät synchronisiert. In der Folge können bis zu einige hundert Kontakte in das Gerät gelangen, was nicht die Übersichtlichkeit fördert. Wenigstens können Kontakte zusammengelegt werden. Gut funktionierte auch die Synchronisierung des Kalenders mit verschiedene Konten aus Gmail, Windows Live und Facebook.
Browser und Bing
Mit der mobilen Variante des Internet Explorers 9 ist nun endlich ein ordentlicher Browser mit an Bord, der den merkwürdigen Hybriden aus IE7 und IE8 abgelöst hat. Der mobile IE9 unterstützt sowohl HTML5-Standards als auch Hardwarebeschleunigung. Die meisten Webseiten werden ordentlich dargestellt, allerdings wird der Text der Webseite gelegentlich kleiner dargestellt als zum Beispiel über den Browser bei iOS oder Android, variiert aber stark je nach Webseite. Bis zu sechs Tabs lassen sich insgesamt mit dem Browser öffnen.
Pro und Contra
+
- Tastatur sehr angenehm
- Flüssige Animationen
- Look und Feeling
-
- Eingeschränktes Multitasking
- Userinterface wirkt unübersichtlich
- Überladene Kontaktliste
Die Suche über Bing wurde um drei Bereiche erweitert. So kann eine Suche per Spracheingabe ausgeführt werden. Zudem lassen sich QR-Codes und Microsoft Tags live einlesen und direkt in der Ansicht anzeigen, was auch ganz gut funktioniert hat beim Testen. Auch ganze Textpassagen können eingescannt werden, die dann der Bing Translator zu übersetzen versucht.
Ein weiteres Feature ist die Audio-Erkennung von Songs, die seit der iOS-App Shazam bekannt sein dürfte. Diese ist nun fest in die Bing-Suche von Windows Phone 7.5 integriert und funktioniert auch bei den meisten Songs, die wir ausprobiert haben.
Die Spracheingabe funktioniert nicht nur bei der Suchanfrage über Bing. Wird der Windows-Knopf länger gedrückt aktiviert man eine globale Sprachsteuerung bei Windows Phone. Jetzt können einfache Befehle gegeben werden wie „Ruf Christoph an“ oder „Mailbox abhören“. Die Spracherkennung funktionierte nicht immer tadellos, die Technologie steckt aber genauso wie bei der Konkurrenz noch in den Kinderschuhen.
Um in das Multitasking-Menü zu kommen, muss die Rück-Taste länger gedrückt gehalten werden. Die Wahl auf diesen Knopf erscheint befremdlich, der Windows-Button ist aber schon für die Spracheingabe vergeben. Vielleicht hätte man die Spracheingabe dem Such-Button und die Multitasking-Verwaltung dem Home-Button zuordnen sollen. Streng genommen bietet „Mango“ kein „echtes“ Multitasking wie bei Android, sondern friert die Anwendungen ein. Das soll den Akku schonen. Die einzelnen Apps müssen hierfür allerdings angepasst werden.
Fazit
Mit dem Update auf Windows Phone 7.5 hat Microsoft aus seiner Plattform endlich einen wettbewerbsfähigen Konkurrenten zu iOS und Android auf den Markt gebracht. Einige Bereiche können noch verbessert werden, dennoch überzeugt es durch sein frisches Aussehen und Interface, das zur Abwechslung sich nicht so stark an iOS orientiert, auch wenn es für einige gewöhnungsbedürftig sein mag. In Kombination mit neuen Smartphones von Nokia könnte Windows Phone 2012 tatsächlich die dritte Kraft hinter Android und iOS werden auf dem Smartphone-Markt.
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