Was taugt das Klapp-Display?
Sony Tablet P im Test
Seit November 2011 ist das Sony Tablet P auf dem Markt erhältlich. Auf den ersten Blick erinnert sein Dual-Screen-Display an den Nokia Communicator, ansonsten soll das Tablet alles bieten, was die Konkurrenzmodelle auch können – so verspricht es zumindest der Hersteller.
Erster Eindruck und Design
Ist es ein Smartphone? Ist es ein Tablet? Ist es ein Brillenetui für diese komischen Faschingsbrillen im XL-Format? Die Ersten Reaktionen auf das ungewöhnliche Aussehen des Tablets fielen sehr unterschiedlich aus. Und tatsächlich ist das auffälligste am Sony Tablet P sein Design.
Die zwei voneinander getrennten Seiten des Tablets (zusammen 180 x 158 Millimeter) lassen sich in der Mitte zusammenklappen und ähneln dann einem überdimensionalen Brillenetui in den Maßen 180 x 84 Millimeter. Durch seine geschwungenen Außenseiten liegt es gut in der Hand – allerdings wirkt die Plastikhülle im Aluminium-Look etwas billig und zieht Fettschlieren und Kratzer geradezu magisch an.
Die Innenseite des Tablets besteht aus zwei 5,5-Zoll großen Multitouch-Displays, die jedoch nicht die komplette Fläche des Gerätes einnehmen. Beim Auf- und Zuklappen machen die Scharniere einen soliden Eindruck, sodass sich das Tablet in verschiedene Winkel, bis zu 180 Grad verstellen lässt und darin verharrt. Insgesamt fühlt sich der Klappmechanismus hochwertig an und erweckt nicht den Eindruck mit der Zeit auszuleiern.
Im Vergleich: das Sony Tablet P neben dem iPhone und einer Brille.
So kompakt das neue Sony-Gerät auch ist, für die Hosentasche ist es doch etwas zu groß. Auch im Sakko bildet es eine große Beule und liegt zudem mit 372 Gramm schwer auf der Brust. Trotzdem ist das Tablet P im Vergleich zum Samsung Galaxy Tab 10.1 N um knappe 200 Gramm leichter. Bei Frauen mit Handtaschen und Berufspendlern, mit denen wir während des Testzeitraums aufgrund des eigenwilligen Geräte-Designs ins Gespräch kamen, stieß die Größe des Tablets aber auf positive Resonanz, weil es in der Hand-, Umhänge- und Laptop-Tasche nicht weiter auffällt. Darüber hinaus ist es dort aufgrund seines Klappmechanismus vor herumfliegenden Kugelschreibern und zerdrücktem Obst geschützt.
Das Tablet P - zu groß für die Hosentasche.
Display und Bedienung
Nach dem Einschalten des Tablet P begrüßt das vorinstallierte Android 3.2 Betriebssystem - alias Gingerbread den Nutzer (Sony hat ein Update für die Tablets S und P auf Android 4.0 für das Frühjahr in Aussicht gestellt). Der Touchscreen reagiert schnell und präzise auf Fingereingaben und überzeugt durch satte Farben, die erst bei einem flachen Blickwinkel kippen, sprich an Sättigung verlieren. In der Menü-Navigation setzt das Sony-Tablet ausschließlich auf das Multitouch-Display, Hardware-Knöpfe sucht man hier vergebens.
Das für uns größte Manko des Tablet P ist gleichzeitig sein Alleinstellungsmerkmal: Die Double-Touch-Displays sind in der Mitte durch einen breiten schwarzen Rand voneinander getrennt. Um den unterbrochenen Bildschirm effektiv nutzen zu können, hat Sony zwar eigens dafür angepasste Apps entwickelt – jedoch hält sich Anzahl und Qualität dieser Applikationen noch in Grenzen, sodass man auf konventionelle Apps zurückgreifen und sich dann mit den Nachteilen eines zweigeteilten Displays arrangieren muss.
Der schwarze Balken in der Mitte ist ein Spaßverderber.
Versucht man zum Beispiel das beliebte App-Game Angry Bird auf dem Tablet P zu spielen, vergeht einem schnell die Lust. Das Spiel erfordert Slide- und Tippbewegungen mit dem Finger. Dabei wird ein unsichtbarer, aber dafür fühlbarer Höhenunterschied zwischen den beiden Tablet-Teilen spürbar.
Außerdem ist dieses Spiel wie viele andere App-Lieblinge (noch?)
nicht auf das Sony Tablet P optimiert. Man hat also die Wahl, das
Game auf nur einem Bildschirm zu spielen – der andere bleibt dabei
schwarz - oder man spielt auf beiden Bildschirmen und nimmt in
Kauf, dass das Hauptgeschehen des Spiels in der Mitte zerschnitten
wird (siehe Foto oben).
Beim Tippen von Texten ist das Dual-Display hingegen sehr
hilfreich. So kann man wie bei einem kleinen Laptop auf dem unteren
Screen tippen und auf dem oberen den Text lesen. Das ist unter
anderem beim E-Mail-Client und im Kalender möglich.
Ausstattung
Technisch gesehen kann das Tablet P mit Konkurrenz-Tablets mithalten. Der Nvidia Tegra 2-Chip sorgt für ausreichende Rechenleistung. Auch unterwegs kann man dank 3G mobil surfen. Darüber hinaus liefert die fünf Megapixel-Frontkamera gestochen scharfe Bilder in einer maximalen Auflösung von 2.592 x 1.944 Pixeln. Im Praxistest ist dem Akku nach fünf Stunden Dauergebrauch die Puste ausgegangen und musste wieder an das Netzteil angeschlossen werden - ein solider Wert wie wir finden.
Darüber hinaus bietet das Sony Tablet P Zugriff auf den Sony eigenen App-Store, in welchem sich Musik, Spiele und Filme herunterladen lassen. Damit wird aus dem Tablet eine Spielekonsole im Stil des Nintendo DSi XL.
Fazit
Obwohl das Klapp-Display sicherlich das markanteste Merkmal des neuen Sony Tablet P ist, findet sich dieses Konzept bereits bei Acers Iconia sowie dem Toshiba Libretto W100.
Sonys Variante eines Double-Screen-Tablets konnte uns alles in allem aber nicht überzeugen, weil der Abstand zwischen den Displays das Surfen zu sehr einschränkt - bei einem Preis von rund 600 Euro möchte man sich durch so etwas aber eben nicht eingeschränkt fühlen. Wer jedoch ein Tablet sucht, das ihn überall hin begleitet und schnell in der Tasche verschwindet - dabei aber keine großen Ansprüche an Design und Bildschirmdarstellung legt - könnte im Sony Tablet P einen treuen Begleiter finden.
Vorteile
- klein, handlich
- verschwindet unterwegs schnell in der Tasche
- Bildschirm ist durch Zuklappmechanismus geschützt
- leichte Menüführung
- gute Kamera
Nachteile
- geteilter Bildschirm
- nicht genügend angepasste Apps
- mit rund 600 Euro teuer
- nur ein Mikro USB-Anschluss
Technische Daten:
Display: 5,5-Zoll-Multitouch (jeweils 1.024 x 480 Pixel, glare)
Betriebssystem: Android 3.2 Honeycomb
Prozessor: Nvidia Tegra 2 Chipsatz (1 GHz)
Speicher: 1 GB RAM + 4 GB intern + MicroSD(HC)
Kamera: 5 MP Rearkamera, VGA-Frontkamera
Schnittstellen: WLAN (IEEE 802.11b/g/n), Bluetooth,
Übertragungsstandards: HSUPA (UMTS)
Anschlüsse: 1x micro-USB-Anschluss
Sonstiges: GPS, Gyrosensor, Accelerometer, digitaler Kompass
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