Experten-Interview
Entwickeln für Android-Tablets
mobile360: Guten Tag Herr Frank,
Android-Tablets scheinen der kommende Trend zu werden, allerdings
hatte Google die Software-Plattform bisher gar nicht für andere
Geräte als Smartphones konzipiert. Welche Probleme ergeben sich
daraus?
Wolfgang Frank: Das macht es natürlich schwierig
für Android-Entwickler, Anwendungen sowohl für Tablets als auch
Smartphones gleichzeitig zu entwickeln. Das Aussehen von
Smartphone-Apps auf Tablets ist oft nicht zufriedenstellend, da
Android bisher nicht für solche Displaygrößen, Auflösungen und
Pixeldichten ausgelegt war. Mit viel Aufwand ist daher die
Anpassung der mobilen Anwendung notwendig. Ein weiteres Problem
ergibt sich daraus, dass Tablets oft anders ausgestattet sind als
Smartphones. Es fehlt häufig die Kamera, GPS oder eine
Telefonier-Funktion. Somit bekommen die Geräte kein "grünes Licht"
von Google, was zur Folge hat, dass die Geräte weder mit dem
Android Market verbunden werden noch Google Maps nutzen
können.
mobile360: Die nächste Android-Version soll
angeblich auch den Einsatz der Software auf Tablet-PCs erleichtern.
Wie könnte das konkret aussehen?
Wolfgang Frank: Ob diese Erleichterungen auch
wirklich schon mit Gingerbread kommen werden, ist ja noch
nicht ganz sicher - letzten Gerüchten zufolge müssen
Tablett-Enthusiasten wohl noch bis zur übernächsten Version
Honeycomb warten.
An der automatischen Skalierbarkeit von Anwendungen auf
verschiedenen Zielgeräten müsste noch einiges verbessert werden,
genauso wie die Unterstützung für weitere periphere Geräte (z.B.
USB, IrDa, TV) - die mögliche Vielfalt ist sowohl Segen, als auch
Fluch von Android. Eine erweiterte API wäre zudem sinnvoll, um auf
hardware- und systembedingte Unterschiede einfacher reagieren zu
können sowie vielleicht auch spezielle UI-Elemente und
-Bedienkonzepte, die größeren Displays gerechter wären. Natürlich
sollte auch auf bürokratischer Ebene der Prozess für die Freigabe
der Geräte vonseiten Google den Besonderheiten von Tablets
angepasst werden, sodass der Android Market auch für alle Tablets
mit Android verfügbar wäre.
mobile360: Welche Erfahrungen haben Sie bisher als
Entwickler mit Android auf Tablets gemacht?
Wolfgang Frank: Es gibt aktuell nur sehr wenige
Anwendungen, die speziell für Tablets entwickelt wurden, das hat
sicher seinen Grund. Aufgrund meiner Erfahrungen bin ich etwas
gespalten, was die Antwort dieser Frage angeht. Zum einen ist es
immer wieder enttäuschend und frustrierend festzustellen, was
Android noch alles fehlt und wie stark man durch die Fragmentierung
der Plattform sowie der Vielfalt der Endgeräte gezwungen wird, auch
Anpassungen auf kleinster Ebene vornehmen zu müssen. Hier hat die
Welt von iOS meiner Meinung nach noch klar die Nase vorne.
Andererseits zeigt sich auch, dass man doch fast jede Schraube in
Android beeinflussen kann, sofern es notwendig ist ... allerdings
sollte man sich gut überlegen, ob man das wirklich will und ob es
auch immer sinnvoll wäre.
Ich hoffe sehr darauf, dass die versprochenen Erleichterungen für
die Tablet-Entwicklung mit Android wirklich sehr bald kommen und
nicht nur halbherzig umgesetzt werden.
mobile360: Wo liegen dennoch die Vorteile dieser
Plattform für den Einsatz auf Tablet-PCs?
Wolfgang Frank: Wichtigster Vorteil ist sicher das
enorme Potenzial durch die große Anzahl der Apps und die
motivierten Entwickler, die sehr schnell neue Anwendungen umsetzen
und auf neue Anforderungen des Marktes reagieren können. Das
Know-how, das sie auf den Smartphones erlangt haben, ist gut
übertragbar auf andere Bereichen, die bisher für Java-Entwickler
verschlossen waren, wie eben Tablet-PCs, IPTV, Car-Infotainment
Systeme, Heimvernetzung, usw.
Android als übergreifende Plattform und Laufzeitumgebung hat meiner
Meinung nach das Potenzial und das notwendige Momentum, einige der
Versprechen einzulösen, mit denen seiner Zeit JINI und
zuletzt auch OSGi angetreten waren.
mobile360: Vielen Dank für das Gespräch, Herr
Frank.
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