Interview
Die SMS ist nicht tot
Der Markt für Smartphones und das Mobile Web boomen derzeit. Instant Messaging Dienste wie WhatsApp drohen dabei einem klassischen Kommunikationsmittel, der SMS, den Rang abzulaufen. Ist die SMS also ein Auslaufmodell? Mitnichten, wie uns Michael Kowalzik, CEO von tyntec, in einem Gespräch erläutert hat.
Mobile360: Der mobile Trend scheint sich immer mehr in Richtung mobiles Internet zu verlagern. Smartphones boomen wie noch nie zuvor. Wie passt da die "gute, alte" SMS in ihr Geschäfts-Konzept?
Michael Kowalzik: Während Apps und das mobile Internet sich nur für bestimmte Einsatzgebiete eignen, handelt es sich bei mobilfunkbasierten Sprach- und SMS-Diensten um einfache und überall verfügbare Anwendungen. tyntec bietet Unternehmen quer durch alle Branchen die Möglichkeit, den mobilen Kanal in ihre Kommunikationsstrategie zu integrieren - anhand der Basisdienste SMS, Sprache, Rufnummern und Daten. Dies nutzen vermehrt auch Internet-Unternehmen, für die die SMS eine Technologiebrücke zwischen Telekommunikation und Internet darstellt.
Ein Beispiel für solche Internet-Unternehmen ist Pinger. Das Unternehmen bietet eine kostenlose App für den SMS-Versand per iPod touch, iPhone und Android. Zunächst brachte Pinger seine werbefinanzierte App in den USA auf den Markt und verarbeitet dort inzwischen monatlich über 1,6 Mrd. SMS-Nachrichten. Kürzlich wurde der SMS Free Service nun auch in Deutschland gestartet. Dabei kümmert sich tyntec um alle ein- und ausgehenden Kurzmitteilungen, die zwischen den deutschen Pinger-Nutzern ausgetauscht werden.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Anwendungsmöglichkeiten für SMS-Dienste. So können VoIP-Unternehmen ihren Kunden beispielsweise die Möglichkeit bieten, SMS von ihren Online-Accounts aus zu verschicken. Des Weiteren setzen soziale Netzwerke verstärkt auf mobilfunkbasierte Dienste, um ihren Nutzern Status-Updates per Kurzmitteilung zu ermöglichen. Aber auch Anbieter von Online-Dating-Plattformen greifen auf Mobile Messaging zurück, sodass Nutzer untereinander anonym per SMS chatten können. Es besteht also durchaus eine große und noch immer wachsende Nachfrage nach unseren SMS-Diensten.
Mobile360: Was sind die Vorteile der SMS im Vergleich zum herkömmlichen Internetprotokoll?
Michael Kowalzik: SMS als Nachrichtenformat aus der Telekommunikationswelt ist so gut wie überall auf der Welt einsetzbar. Egal, ob UMTS, GPRS oder GSM Abdeckung - eine SMS kann überall und auf fast allen Mobilfunkgeräten eingesetzt werden. Ganz anders verhält es sich mit Anwendungen, die auf dem Internetprotokoll basieren. Diese benötigen 1. ein internetfähiges Gerät (also ein Smartphone) und 2. einen Internetzugang, der längst noch nicht so flächendeckend verfügbar ist wie das herkömmliche Mobilfunknetz. Zugleich kann man SMS aber eben auch über IP-Netze übermitteln und in IP-Protokolle integrieren. Genau das machen wir mit unserer Technologie. Unternehmen erreichen mithilfe von SMS den größten Teil ihrer Zielgruppen, während die Zahl der Smartphone-Nutzer, die über Apps oder mobiles Web erreicht werden kann, im Vergleich dazu noch immer deutlich geringer ist.
Mobile360: Wie verhält es sich mit den Kosten?
Michael Kowalzik: Gerade in Europa ist die Übermittlung und die Nutzung von SMS – vor allem in ausländische Netze – noch immer eine relativ teure Angelegenheit. Wir gehen daher davon aus, dass kostenlose bzw. kostengünstige Dienste wie Pinger, Whats App, iMessenger etc. immer mehr an Bedeutung gewinnen werden.
Mobile360: Welche Anwendungsszenarien von SMS sind für Unternehmen im B2C-Bereich interessant?
Michael Kowalzik: Hier kann man sich die gesamte Bandbreite der Marketing- und Kundenbindungsmaßnahmen vorstellen: etwa Hinweise auf aktuelle Angebote und Coupons, aber auch Chats, Dating-Nachrichten, Abstimmungen bei Wettbewerben oder Microblogging-Dienste wie Twitter lassen sich einfach über Kurznachrichten abwickeln. Aber auch Mobile Ticketing und Banking zählen zu beliebten Anwendungen in der B2C-Kommunikation.
Mobile360: Wie sieht das im B2B-Bereich aus?
Michael Kowalzik: Hier sehen wir ähnliche Möglichkeiten wie die bereits oben genannten. Dazu kommen weitere Einsatzszenarien wie z.B. SMS-Hinweise für Dienstleister (v.a. Benachrichtigungen bei technischen Störungen und Wartungsaufgaben oder für das Mobile Device Management), aber auch Machine-2-Machine-Kommunikation, Transportplanung und Routentracking sowie Nachrichten an Mitarbeiter sind gängige Einsatzgebiete.
Mobile360: Welche Leistungen bietet Tyntec in diesem Bereich an?
Michael Kowalzik: tyntec bietet die Technologiegrundlage für alle unter Punkt 4 und 5 beschriebenen Anwendungsgebiete. Wir arbeiten dabei mit einer Telekommunikationsinfrastruktur sowie Schnittstellen, Protokollen und APIs (Application Programming Interface), die den Standards entsprechen und sich bewährt haben. Dadurch können Kunden mobile Dialog-Dienste unkompliziert per Plug-and-Play implementieren. Die Plattform von tyntec entspricht der Qualität von Telekommunikationsanbietern und ist dadurch in der Lage, selbst große Datenvolumina zu bewältigen.
Mobile360: Der mobile Trend geht hin zu Messaging-Programmen wie WhatsApp oder Pinger. Wie lässt sich dies mit SMS verbinden?
Michael Kowalzik: Das ist genau der Punkt: Selbst, wenn Nutzer ihre Nachrichten über WhatsApp oder ähnliche Dienste versenden und davon ausgehen, dass sie über das Internet kommunizieren, geschieht dies im Hintergrund immer noch mit SMS-Technologie. Und da sind wir genau bei dem, was tyntec anbietet. Wir erachten es als sinnvoll, dass Kurznachrichten selbst bei Internetanwendungen über das Mobilfunknetz laufen. Denn dies ist immer noch die zuverlässigste Übertragungstechnologie und garantiert eine nahtlose Verbindung zum Handy des Empfängers. Die SMS-Technologie ist zudem fast überall verfügbar, während Skype-ähnliche Dienste, die nur auf IP basieren, bei weitem noch keine vergleichbare Abdeckung und Qualitätsstufe aufweisen. Anbieter für IP-Services sind nach wie vor auf SMS angewiesen, um ein für den Nutzer attraktives Level an Dienstqualität und Zuverlässigkeit bieten zu können.
Mobile360: Was sind für Sie die kommenden Trends?
Michael Kowalzik: So, wie wir heute Nachrichtenformate, die auf SMS und IP basieren, verbinden, wird es verstärkt darum gehen, weitere Elemente aus der Telekommunikationswelt - wie z.B. Sprache - in die IP-Welt zu überführen. Einige Webplattformen wie Facebook, Google oder auch Skype arbeiten ja schon seit längerem daran, Telekommunikationsdienste in ihre Online-Angebote zu integrieren. Diese integrierten Dienste sind auch für andere Unternehmen interessant, um etwa ihren Kunden zusätzliche Möglichkeiten für die Kontaktaufnahme bieten zu können. Für den Kunden wird dieses Zusammenwachsen der Welten kaum merkbar sein - im besten Fall bemerkt man keinen Unterschied, auf welcher Technologiebasis man Kurznachrichten verschickt oder Gespräche führt. Es wird nur eine Frage der Darstellung und der Gerätemöglichkeiten sein. tyntec sieht sich hier als der "enabler", denn wir arbeiten genau daran, die derzeit noch weitgehend getrennten Welten Internet und Telekommunikation zu verbinden.
Mobile360: Wir danken für das Gespräch, Herr Kowalzik.
(Aufmacherbild: Pixelio)
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