Innovationsfreude

Deutsche Bahn nutzt Android

Die Zugbegleiter im Personenverkehr der Deutschen Bahn AG nutzen schon seit vielen Jahren den RIS-Communicator als Informations- und Kommunikationswerkzeug. RIS steht für das ReisendenInformationsSystem und bietet den Kunden der Deutschen Bahn aktuelle Informationen zu deren tatsächlichem Reiseverlauf. Der Pilotbetrieb des RIS-Communicators startete vor über zehn Jahren im Nahverkehr.

Damals war das primäre Ziel, Informationen zu Zügen auf nicht automatisch überwachten Nebenstrecken zu sammeln. Per Knopfdruck sendete der Zugbegleiter eine elektronische Abfahrtsmeldung als SMS. Mit den Jahren ist der Funktionsumfang des RIS-Communicators immer größer geworden, sodass das Endgerät für den Zugbegleiter in seinem Alltag immer hilfreicher wurde. Er kann mit dem RIS-Communicator beispielsweise Reisende für Anschlusszüge melden, Anschlussinformationen für den nächsten Halt abrufen, Verbindungsauskünfte erteilen, Schäden und Qualitätsmängel melden sowie Ware für die Bordgastronomie bestellen. Inzwischen sind ca. 8500 Zugbegleiter im Nah- und Fernverkehr mit dem RIS-Communicator ausgestattet, der an vielen Stellen Telefonate und konventionelle Papierunterlagen überflüssig macht.


Die Deutsche Bahn setzt auf Consumer-Endgeräte

Speziell für einen Einsatzzweck entwickelte Endgeräte sind nur mit großem Aufwand auf dem aktuellen Stand der Technik zu halten und haben hohe Stückpreise. Deshalb setzt die Deutsche Bahn beim RIS-Communicator bewusst auf Consumer-Endgeräte. Eine Voraussetzung für diese Entscheidung ist, dass die konkrete Endgerätestrategie mit den schnellen Produktlebenszyklen mobiler Endgeräte im Endkundenbereich Schritt halten kann. Ein zeitgleicher Kompletttausch der Endgeräte bei allen 8500 Zugbegleitern ist weder finanziell sinnvoll noch praktisch umsetzbar (zeitgleiche Schulungen, Endgeräteverteilung etc.). Der Austausch der Endgeräte erfolgt kontinuierlich im Rahmen der Ersatzbeschaffung. Da immer ein RIS-zertifiziertes Endgerät beschaffbar sein muss, sind zeitgleich mehrere Endgerätetypen im Einsatz. Deren Anzahl ist möglichst klein zu halten, um Betriebs-, Support- und Wartungskosten zu minimieren.


Bisher kamen Nokia-Endgeräte zum Einsatz

Seit dem Pilotbeginn im Jahr 1999 wurde die RIS-Software für Zugbegleiter auf vier Softwareplattformen umgesetzt (Abb. 1). Der erste RIS-Communicator war das Nokia 9110. Es war eines der ersten Geräte aus Nokias Communicator-Serie. Als Betriebssystem lief Geos, das an C64er-Zeiten erinnert. Die Umsetzung der RIS-Software für den Pilotbetrieb erfolgte nativ in einem C-Dialekt. Die Kommunikation zwischen dem Endgerät und den zentralen Komponenten erfolgte per SMS. Für die damals sehr schmalbandige Kommunikation war die SMS wirtschaftlicher als Datenverbindungen über ein IP-Netz. Gerade in Gebieten mit sehr schlechter Mobilfunkabdeckung ist der Datenaustausch per SMS sehr zuverlässig und ermöglicht einen Informationsaustausch, wo andere Kommunikationskanäle versagen.

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Als die Entscheidung fiel, das System RIS-Communicator fortzuführen und weitere Mitarbeiter mit einem Endgerät auszustatten, war der Nachfolger des Nokia 9110, das Nokia 9210i, das Gerät der Wahl. Es hatte bereits ein Farbdisplay, und als Betriebssystem kam Symbian mit der Entwicklungsumgebung Series 80 zum Einsatz. Der Betriebssystemwechsel von Geos zu Symbian machte eine Portierung der RIS-Software erforderlich. Das plattformunabhängige Java sollte bei zukünftigen Endgerätewechseln den Portierungsaufwand klein halten. Die RIS-Software wurde nahezu komplett neu in Personal Java geschrieben. Als das Nokia 9210i im Jahr 2005 auslief, wurden die Geräte sukzessive durch das Nokia 9300 ersetzt. Trotzt der Beibehaltung von Personal Java fiel bei dem Wechsel von Series 80 1st Edition zur 2nd Edition ein erheblicher Anpassungsbedarf an.

Durch die Übermittlung von dynamischen Anschlussinformationen ab 2006 stieg die übertragene Datenmenge sprunghaft an. Seit 2008 wird zusätzlich GPRS für die Datenübertragung verwendet. Da der Empfang einer SMS an registrierte SIM-Karten gebunden ist, wird bei bestimmten Übertragungen, die eine sichere Kommunikation erfordern, weiterhin SMS eingesetzt. Außerdem steht der SMS-Kanal als Rückfallebene zur Verfügung.

Der RIS-Communicator der vierten Generation wurde das Nokia E90. Dieses basierte nun auf Series 60 3rd Edition, die kein Personal Java unterstützte. Die Java Mobile Edition (J2ME) der S60-Plattform konnte nicht alle Funktionen zur Umsetzung der RIS-Anforderungen zur Verfügung stellen. Die Ankündigung von Nokia und IBM zum Ende 2007, gemeinsam eine Java-Variante für embedded Rich Client Plattform (eRCP) für Symbian-Endgeräte bereitzustellen, bot eine vielversprechende Alternative. In der ersten Entwicklungsphase konnten große Teile des Quellcodes der Personal-Java-Version übernommen werden. Leider hat Nokia die eRCP-Strategie im September 2008 wieder aufgegeben. Nach enger Zusammenarbeit mit dem Systemintegrator ProSyst GmbH lag im März 2009 ein stabiler eRCP-Stack vor, mit dem die RIS-Anwendung auf dem Nokia E90 produktiv eingesetzt werden konnte. Allerdings hatte Nokia zwischenzeitlich entschieden, die Communicator-Baureihe einzustellen, sodass Mitte 2009 die letzten Nokia E90 ausgeliefert wurden.

Damit war es Mitte 2009 an der Zeit, die Endgerätestrategie gründlich zu überarbeiten. Das Vorgehen zur Sicherstellung der Endgeräteverfügbarkeit musste an die gestiegene Dynamik des Markts angepasst werden. Der Schlüssel lag in der Auswahl der Endgeräteplattform für die fünfte RIS-Communicator-Generation, die im Folgenden beschrieben wird.

Abb. 1: Bisherige Softwareplattformen der RIS-Software

         

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Heiko Sasse
Heiko Sasse

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