Augmented Reality

Auf dem Weg vom Wow-Effekt zu konkretem Nutzwert.

Diese Woche fand in München die insideAR Conference statt, die Hausmesse der Firma metaio zum Thema Augmented Reality. Die Veranstaltung, mittlerweile dem Fassungsvermögen der eigenen Büroräume entwachsen, präsentierte sich in einer neuen und angemessenen Location und mit beachtlichem Publikumszuspruch.

Augmented Reality ist zwar ein momentan sehr gehyptes Thema, trotzdem weiß gegenwärtig nur ein überschaubarer Kreis von Experten etwas damit anzufangen. Vor diesem Hintergrund ist die Zahl von 250 international zusammengesetzten Teilnehmern als voller Erfolg zu werten. Sicherlich hat die taktisch kluge Platzierung der Veranstaltung innerhalb der Wiesn-Zeit nicht geschadet und dem einen oder anderem internationalen Teilnehmer die Entscheidung nach München zu reisen erleichtert.

Besucher der insideAR (Bild: metaio)

Was gab es inhaltlich zu sehen und zu hören? Die wahrscheinlich für die meisten Leser spannendsten Neuigkeiten gibt es rund um Metaios Augmented-Reality-Browser junaio zu vermelden. Es wird ab Oktober auch für Symbian verfügbar sein und im ovi Store zum kostenlosen Download bereitstehen. Auf der insideAR konnte man junaio auf einem Nokia N8 testen.

Metaios Strategie für junaio ist klar, es gilt so viele Content-Anbieter wie möglich zu überzeugen eigene Channels zu entwickeln, um das Rennen der AR-Browser zu gewinnen. Und in der Tat stehen die Chancen nicht schlecht, ca. 1000 Entwickler haben sich bereits für das Developer-Program angemeldet und arbeiten an eigenen Channels. Ist die Usability auch nicht gerade die Stärke von junaio, sind es die "inneren Werte", die ihn momentan zum technologisch führenden AR-Browser machen. Aus Metaios zehnjähriger Erfahrung im industriellen Sektor ist jede Menge Know-how rund um Mustererkennung und (markerloses) Tracking eingeflossen, die es Entwicklern ermöglichen Features in ihren Channel einzubauen, die normalerweise nur mit dedizierter Software als eigene App zu realisieren sind. Ein Beispiel ist der Channel des Magazins der Süddeutschen Zeitung, der von Till Krause Redakteur und Projektleiter des AR Projekts bei der Süddeutschen vorgestellt wurde.

Peter Meier, CTO von Metaio gab einen kurzen Ausblick, was wir sonst noch neues von der Version 2.5 erwarten können. Für viele Entwickler sicherlich interessant zu hören, es soll in Zukunft die Möglichkeit geben, Werbung im eigenen Channel zuzulassen. Metaio übernimmt dabei Vermarktung und Abwicklung, ähnlich bekannter Mobile Advertising Netzwerke wie zum Beispiel AdMob. Ob das auch auf der iOS Plattform funktionieren wird, muss sich allerdings erst noch zeigen, momentan verbietet Apple explizit standortbezogene Werbung, sofern sie nicht von ihrem eigenen Werbenetzwerk iAd kommt. Auch kostenpflichtige Channels sollen kommen. In der Mobilfunkbranche schielt man hier noch etwas arg optimistisch auf Paid Content Modelle, ob der Markt dafür wirklich bereit ist, muss sich erst noch erweisen, die Erfahrung aus 10 Jahren Klingeltonverkauf machen hier vielleicht etwas überoptimistisch.

Zwei neue Content-Partner konnten für junaio gewonnen werden, kino.de wird demnächst mit einem eigenen Channel vertreten sein, hier wird das aktuelle Kinoprogramm aller Kinos in der Umgebung einsehbar sein, inklusive der Möglichkeit sich direkt einen Trailer anzusehen. Als weiterer Partner ist die holländische Firma TAB WorldMedia ab sofort an Board, sie entwickelte bisher hauptsächlich für den AR-Browser Layar. Ihre bekannteste Anwendung ist der Layar Channel Tweeps Around, welchen sie auch auf der insideAR - ironischerweise noch in der Version für Layar - zeigten.

Channel von kino.de auf junaio (Bild: metaio)

Die spannendsten auf der insideAR gezeigten Neuerungen jenseits von junaio betreffen alle die Entwicklungen im Bereich der markerlosen 3D Bilderkennung, dem nächsten großen Thema in der Augmented Reality Welt. Markerlose Bilderkennung und Tracking zeigte Metaio anhand eines Technologie Showcases. Die Fassade eines Gebäudes wurde erkannt und mit 2D und 3D Content überlagert. Bewegte man die Kamera, bewegte sich der überlagerte Content bei 6-8 Frames/s mit. Die Demo lief auf einem iPhone 4, ziemlich beeindruckend, in diesem Bereich wird uns in Zukunft noch einiges erwarten. Etwas näher an der Serienreife war eine Demo für ein virtuelles Handbuch eines Audi A1. Führte man die Kamera über verschiedene Bedienelemente des Innenraums wurden auf dem iPhone kontextspezifische Filme abgespielt. Was mich zu meinem Lieblingszitat der Veranstaltung bringt: "Content may be king, but context is queen". In diesem Sinne: viel Spaß mit Augmented Reality.

Markerloses 3D Tracking (Bild: metaio)

Virtuelles AR-Handbuch für den Audi A1 (Bild: Markus Bokowsky)

Markus Bokowsky
Markus Bokowsky

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