Tablet für die Massen
Amazon Kindle Fire im Test
Mit dem Kindle Fire ist Amazon in den USA derzeit der erste ernstzunehmende Konkurrenz für das iPad, was die Verkaufszahlen angeht, auch wenn ein gänzlich anderes Konzept hinter dem Billig-Tablet für den Medienkonsum steckt als beim hochwertigen iPad. Wir haben uns eines der Geräte aus den USA besorgt und es einmal unter die Lupe genommen.

Design
Technische Daten
Display: 7" LCD-IPS-Display, 1024x 600 Pixel
(16:9)
CPU: TI OMAP 4 4430 mit 1 GHz
GPU: PowerVR SGX540
Speicher: 8 GB
RAM: 512 MB RAM
Größe: 190 mm x 120 mm x 11.4 mm
Gewicht: 413 g
OS: Android OS 2.3 (stark angepasst)
Das Design des Kindle Fire ist schlicht, einfach und kommt im 16:9-Format. Auffallend ist das relativ dicke Gehäuse des Amazon Tablets, das auch gefühlt sehr schwer ausfällt. So fällt es vom Gewicht her auch mit über 413 Gramm schwerer aus als zum Beispiel das Samsung Galaxy Tab 7.7. An das Gewicht muss man sich beim Halten zunächst gewöhnen, nur mit einer Hand lässt es sich kaum über einen längeren Zeitraum halten. Zusätzliche Ausstattungsmerkmale wie eine Kamera für Aufnahmen oder den Videochat findet man beim Kindle Fire vergebens.
Display
Das Display des Kindle Fire ist im 16:9-Format und hat eine Auflösung von 1024 x 600. Leider spiegelt es relativ stark, was den Lesegenuss bei Tageslicht ziemlich schmälern kann, zudem sind Fettflecken und Fingerabdrücke sehr gut sichtbar. Die Kontraste und die Farbwiedergabe wirken jedoch natürlich, auch lässt sich das Display gut von der Seite ablesen.
Das 16:9-Format eignet sich ideal zum Anschauen von Filmen im Querformat, zum Lesen von Büchern oder Magazinen im Hochformat ist es hingegen nicht so gut geeignet und dürfte dem einen oder anderen Kindle-Fan zu schaffen machen.
OS
Als Betriebssystem läuft ein Fork von Android 2.3, das Amazon aber stark verändert hat und nur noch wenige Hinweise auf Googles Betriebssysteme liefert. Das Userinterface kommt dabei ohne die sonst gewohnten Desktopbildschirme aus, sondern stellt im Prinzip eine Art von Bücherregal dar, über das dann die einzelnen Bereiche für Filme, Bücher, Apps und der Browser zugänglich sind. Die Animationen in dem Bücherregal wie auch das Betriebssystem selbst laufen dabei relativ flüssig ab.
Als Browser kommt mit dem Silk eine Eigenentwicklung von Amazon zum Tragen. Dank Cloud-Unterstützung soll der Browser besonders flott sein, wirklich groß gemerkt haben wir davon allerdings nicht. Dennoch lief der Browser flüssig und stabil, lediglich die Textwiedergabe auf Webseiten überzeugte nicht sonderlich: Die Texte wirkten häufig verschwommen und waren nicht so gut lesbar. Zum Vergleich: E-Books wurden in guter Qualität wiedergegeben.
Dokumente und Dateien auf dem Kindle Fire können nicht nur per USB-Kabel, sondern per Cloud mit einem PC synchronisiert werden. Hierzu erhält der Kunde nach Registrierung eine eigene E-Mail-Adresse im Format abc@kindle.com. Musikdateien können auf diese Weise allerdings nur über eine US-IP-Adresse übertragen werden, was lizenzrechtliche Gründe hat.
Apps und Content
Anders als bei herkömmlichen Android-Geräten hat das Kindle Fire nur Zugang zum Appstore for Android von Amazon, wodurch nicht so viele Apps verfügbar sind. Dies dürfte sich mit der Zeit aber ändern, da viele Android-Apps sich auch ohne große Anpassungen in den Amazon Store stellen lassen. Leider muss in jedem Fall ein US-Zahlungsmittel in Form einer Kreditkarte hinterlegt werden, selbst wenn kostenlose Apps bezogen werden sollen.
Das Content-Angebot ist hingegen gigantisch und offenbar tauch, wofür Amazon das Gerät einsetzen will: als Vehikel für Filme, Serien und Musik. Abonnenten des Premium-Angebots Amazon Prime können in den USA auf ein Angebot von über 100.000 Kinofilmen und Serien zurückgreifen, was ein gewichtiges Kaufargument für das Medien-Tablet ist. Außerhalb der Vereinigten Staaten lassen sich aber derzeit mangels Lizenzabkommen keine Medien konsumieren.
Fazit
Derzeit kann man hierzulande mit dem Kindle Fire nur wenig anfangen, da faktisch kein Content genutzt werden kann. Erst wenn sich dies ändern sollte, könnte das Tablet auch hierzulande sein Potenzial ausschöpfen, auch wenn das Format von 7 Zoll vielleicht etwas zu klein ist, um sich damit über längere Zeit Filme anzuschauen.
Wirklich zu vergleichen mit dem iPad oder Samsung Galaxy Tab 10.1 ist das Kindle Fire nicht, das hatte aber Amazon auch nie im Sinn. In erster Linie geht es hier darum, in großer Stückzahl ein preiswertes Gerät als Content-Vehikel für Amazon auf den Markt zu drücken. Was Preis-Leistung und Ausstattung angeht, können derzeit keine Geräte mithalten, allerdings nimmt Amazon dafür auch Verluste in Kauf.
| Pro | Contra |
| + Preis/Leistung | - Unhandlich und schwer |
| + Medienangebot (nur in den USA!) | - Ausstattung |

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